Beißzeiten: Was wirklich zählt.
Ja, aber andere als in der Mondtabelle. In 254 Sessions und 312 Fängen aus dem Angeln+ Fangbuch (8 Angler, Mai 2024 bis Oktober 2026) zählte die Luftdruck-Tendenz und an der Weser die Tide. Dämmerung, Mondphase und Solunar-Perioden brachten nichts Messbares.
Die Richtung zählt, nicht der Wert.
Der absolute Luftdruck sagt nichts voraus. Die Tendenz der letzten drei Stunden schon: Bei stark fallendem Druck lag die Fangrate fast dreimal so hoch wie bei stark steigendem. Der Effekt wirkt auf die Menge, nicht darauf, ob überhaupt etwas beißt.
| Druck-Tendenz (hPa / 3 h) | Sessions | Fänge/Std. | Schneider |
|---|---|---|---|
| stark fallend ≤ −1,5 | 25 | 0,62 | 24 % |
| fallend | 61 | 0,32 | 41 % |
| stabil | 79 | 0,32 | 42 % |
| steigend | 47 | 0,36 | 40 % |
| stark steigend ≥ +1,5 | 18 | 0,22 | 44 % |
Poisson-Modell mit Ansitzdauer und Grundrate je Angler; zeigt sich auch bei den anderen Anglern, nicht nur beim datenreichsten.


Die gute Stunde liegt vor dem Sonnenuntergang.
„Dämmerung ist Beißzeit“ zeigt sich in unseren Daten nicht. Von 1,5 Stunden vor bis 1 Stunde nach Sonnenuntergang lag die Fangrate bei 0,28 pro Stunde, außerhalb bei 0,33. Die beste Phase des Tages: zwei bis eine Stunde vor Sonnenuntergang mit 0,51.
| Stunden zum Sonnenuntergang | Angelstunden | Fänge | Fänge/Std. |
|---|---|---|---|
| −3 … −2 | 97 | 39 | 0,40 |
| −2 … −1 | 93 | 47 | 0,51 |
| −1 … 0 | 71 | 16 | 0,23 |
| 0 … +1 | 46 | 10 | 0,22 |
| +1 … +2 | 25 | 5 | 0,20 |
Mögliche Gründe: Zander-Spinnfischen vom Ufer endet mit dem Licht; viele Sessions enden um den Sonnenuntergang. Trennen lässt sich das erst mit mehr Daten.
| Tidephase | Angelstunden | Fänge | Fänge/Std. |
|---|---|---|---|
| Hochwasser ± ½ h | 16 | 13 | 0,82 |
| ablaufend (HW → NW) | 105 | 36 | 0,34 |
| Niedrigwasser ± ½ h | 22 | 13 | 0,60 |
| auflaufend (NW → HW) | 136 | 69 | 0,51 |
Auflaufend schlägt ablaufend.
An der Tide-Weser (85 Sessions, fast nur Zander) brachte auflaufendes Wasser das 1,5-Fache: 0,51 statt 0,34 Fänge pro Stunde. Sessions überwiegend im Auflauf blieben zu 34 % ohne Fang, im Ablauf zu 50 %. Der Effekt ist vom Luftdruck unabhängig.
Tidephase astronomisch angenähert (±1 Stunde); die Prüfung mit gemessenen Pegeldaten läuft. Der Spitzenwert um Hochwasser steht auf nur 16 Stunden.
Nichts. Wirklich nichts.
Mondphase und Mondlicht zeigen keinen Zusammenhang mit der Fangzahl. Die Solunar-Theorie auch nicht: In Hauptperioden 0,38 Fänge pro Stunde, außerhalb 0,32, in Nebenperioden 0,25. Eine Langzeitstudie über 361 Angeltage und 2.141 Forellen kam zum selben Ergebnis. Deshalb zeigt Angeln+ keine Mond-Beißzeiten.
Wirken aufs „Ob“, nicht aufs „Wie viel“.
Über 16 km/h Wind blieben 53 % der Sessions ohne Fang, bei mittlerem Wind 26 %. Unter 8 °C waren es 61 % Schneidertage – wenn es dann lief, mit 0,47 pro Stunde überdurchschnittlich. Windrichtung, Bewölkung und Startstunde: kein Effekt.

Fünf Sätze fürs nächste Mal.
- Schau auf die Druck-Tendenz der letzten drei Stunden, nicht auf den Wert.
- An Tidegewässern: auflaufendes Wasser planen. Der Rest ist Spot-Wissen.
- Die beste Stunde liegt vor der Dämmerung. Nicht erst losfahren, wenn die Sonne untergeht.
- Mondkalender und Solunar-Tabellen kannst du ignorieren.
- Bei Sturm und Kälte steigt die Schneiderquote. Oder du wechselst die Zielart.
Methode, Daten und Grenzen – zum Nachrechnen
Zählmodell (Poisson) der Fangzahl je Session mit Ansitzdauer als Offset und eigener Grundrate je Angler; je Parameter Likelihood-Ratio-Test und Leave-One-Out-Güte (1 − Devianz Modell / Devianz Grundrate). Dämmerung und Tide zusätzlich fang-genau: Fänge je Stunde Angelzeit in Zeitfenstern relativ zu Sonnenuntergang und Tidephase.
Datenbasis: 254 Sessions, 312 Fänge, 285 davon mit Fangzeit innerhalb der Session, 8 Angler, Mai 2024 bis Oktober 2026, überwiegend Weser, Nederrijn, Waal, Oytersee. Grenzen: Ein Angler trägt drei Viertel der Daten, fast nur Zander; alle Effekte sind klein (Güte 0,01–0,04); kein Kausalnachweis. Wir rechnen jährlich nach und aktualisieren diese Seite.
Quellen: eigene Auswertung (Skripte auf Anfrage) · Solunar-Langzeitstudie: SN Applied Sciences 2023, 5:150 · Tidetabelle Große Weserbrücke für die Hafenzeit.
Dein eigener Beißindex.
Angeln+ rechnet die Luftdruck-Tendenz für deinen üblichen Angelbeginn und zeigt sie als Stufe: Top, Gut, Mittel, Mäßig, Flau. Ohne Prozentzahl, ohne Mond. Je mehr du loggst, desto mehr wird daraus dein Muster.

Fragen zu Beißzeiten.
Gibt es Beißzeiten überhaupt?
Ja, aber nicht die aus der Mondtabelle. In unseren Daten wirkt die Luftdruck-Tendenz der letzten drei Stunden messbar auf die Fangzahl; Mondphase und Solunar-Perioden wirken nicht. Dämmerung brachte keinen Vorteil, auflaufendes Wasser an der Tide-Weser schon.
Was sind Solunar-Perioden und stimmen sie?
Die Solunar-Theorie sagt, Fische seien rund um den Monddurchgang (Hauptperioden) und Mondauf- und -untergang (Nebenperioden) aktiver. In 254 Sessions lag die Fangrate in Hauptperioden bei 0,38 Fängen pro Stunde, außerhalb bei 0,32, in Nebenperioden bei 0,25 – kein belastbarer Unterschied. Eine Langzeitstudie mit 361 Angeltagen kam zum selben Ergebnis.
Ist die Dämmerung nicht die beste Zeit?
In unseren Daten nicht. Die beste Phase lag zwei bis eine Stunde vor Sonnenuntergang (0,51 Fänge pro Stunde), direkt um den Untergang fiel die Rate auf 0,23. Ob das am Fisch oder am Angler liegt (viele hören bei Dunkelheit auf), können die Daten noch nicht trennen.
Welche Rolle spielt der Luftdruck?
Nicht der Wert, die Richtung. Fällt der Druck in drei Stunden um mehr als 1,5 hPa, lag die Fangrate bei 0,62 pro Stunde; steigt er stark, bei 0,22. Stabiler Druck liegt dazwischen. Der Effekt wiederholt sich in der Kreuzvalidierung und bei verschiedenen Anglern.
Wie belastbar sind diese Zahlen?
Begrenzt. 254 Sessions von 8 Anglern, drei Viertel davon von einem Angler an Weser und niederländischen Flüssen, überwiegend Zander. Die Effekte sind klein; der größte Teil der Streuung zwischen Angeltagen bleibt Zufall, Platz und Können. Wir rechnen jährlich nach und veröffentlichen die Zahlen hier.
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